PCO-Syndrom Willkkommen PCO-Syndrom Überblick PCO-Syndrom Ursachen PCO-Syndrom Beschwerden PCO-Syndrom Diagnose PCO-Syndrom Behandlung PCO-Syndrom Forschung PCO-Syndrom Kontakt

PCO-Syndrom | Therapien im Detail

1. Bewährte (etablierte) Therapieverfahren

Die bis dato praktizierten und klinisch erprobten therapeutischen Ansätze in der Behandlung des PCO-Syndroms richten sich vornehmlich nach der im Vordergrund klinischen Symptomatik.

Hirsutismus-Akne-Alopezie

Ist der Hirsutismus (verstärkte Körperbehaarung) das führende klinische Merkmal, wird bislang eine orale kontrazeptive Therapie (Anti-Baby-Pille) mit vorwiegend anti-androgener Komponente (z.B. Diane mite®) bevorzugt. Dies wirkt sich günstig auf Akne und Haarausfall aus. Im Falle der Akne-Therapie werden zudem Präparate mit einem rel. hohem Östrogenenanteil empfohlen. Niedrig dosierte Glukokortikoide (z.B. Dexamethason 0,25mg täglich) können in Einzelfällen zur Hemmung der Produktion und Ausschüttung der männlichen Geschlechtshormone in der Nebenniere genutzt werden.

Adipositas (Übergewicht)

Eine Gewichtsreduktion sollte als erstes therapeutisches Ziel bei übergewichtigen PCO-Syndrom-Patientinnen erwogen werden. Studien belegen eine Verbesserung der reproduktiven (regelmäßiger Zyklus, Kinderwunsch) und metabolischen (Diabetes mellitus, Bluthochdruck) Parameter des PCO-Syndroms schon bei einer mittleren Abnahme des Körpergewichts zwischen 2 und 5%. Schlanke, nicht insulinresistente Frauen sollten einen Kohlehydratanteil von 50-55% einhalten, bei übergewichtigen insulinresistenten Patientinnen sollte der Kohlenhydratanteil mit max. 40% etwas niedriger angesetzt werden.

Studien belegen eine Verbesserung der Insulinresistenz-Parameter mit einer niedrigeren Kohlenhydrantzufuhr. Zudem sollten Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index bevorzugt werden. Auf eine ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen sollte geachtet werden. Eine Gewichtsabnahme kann nur durch die Einsparung von Kalorien erzielt werden, zur Stabilisierung und Erhaltung des erzielten Körpergewichts kann jedoch eine zusätzliche sportliche Betätigung empfohlen werden.

Zyklusregulierung

Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pillen) sollten auch bei sonst weitgehend beschwerdefreien Patientinnen zur Vorbeugung einer bösartigen Erkrankung im Bereich der Gebärmutter (Endometriumkarzinom) bzw. einer Verdickung der Gebärmutterschleimhaut eingesetzt werden. Eine andere Möglichkeit ist eine zyklische Einnahme von Gestagenen (Gelbkörperhormone). Dies beugt auch einem unkontrollierten Wachstum der Gebärmutterschleimhaut vor.

Unerfüllter Kinderwunsch

Im Falle von anovulatorischen Zyklen, d.h. Zyklen ohne Eisprung, ist eine Auslösung des Eisprungs mittels Clomiphen möglich. Clomiphen ist seit mehr als 30 Jahren verfügbar und bewirkt einen Eisprung in 70-85% aller Fälle, wonach die Schwangerschaftsrate jedoch nur bei 40% liegt. Weiters ist ein erhöhtes Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft (ungefähr 10%) bekannt. Eine Clomiphen-Therapie sollte insgesamt nur über sechs Zyklen erfolgen. Danach sollte eine Umstellung auf eine Stimulation mittels FSH bzw. LH/FSH-Präparaten erfolgen. Dies muss einem spezialistierten Zentrum vorbehalten werden, da ein nicht geringes Risiko für eine Überstimulationssyndrom der Eierstöcke (Ovarielles Hyperstimulationssyndrom [OHSS]) besteht. Bei Versagen dieser Behandlung muss auf eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) zurückgegriffen werden. Besonders zu betonen gilt jedoch, dass die Primärtherapie auch eine Behandlung mittels Metformin (Glucophage) erfolgen sollte. Dies verbessert das Ansprechen des Körpers auf Insulin und erhöht somit auch die Eisprungrate.

Operative Therapieoptionen-Die Laparoskopie (Bauchspiegelung)

Der chirurgische Ansatz in der Behandlung von Frauen mit PCO-Syndrom geht auf die 1930er Jahre zurück. Damals wurde eine Keilresektion beider Eierstöcke durchgeführt, um die Rate von Eisprüngen und von Schwangerschaften zu erhöhen. Die Rolle der Chirurgie ist im Zeitalter von medikamentösen Therapieoptionen zurückgegangen. In manchen Fällen ist es jedoch notwendig und sinnvoll eine bestimmte Operationstechnik anzuwenden. Heutzutage wird eine Bauchspiegelung empfohlen und eine sog. Stichelung der Eierstöcke durchgeführt. Der Vorteil dieser Therapieoption ist, dass keine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig ist und gleich hohe Schwangerschaftsraten erzielt werden. Ein weiterer Vorteil ist eine niedrigere Rate an Zwillings- und Drillingsschwangerschaften im Vergleich zur Gonadotropin-Therapie. Der Nachteil einer Bauchspiegelung ist natürlich, dass dies eine invasive Operation in Vollnarkose darstellt mit allen möglichen Komplikationen. Die Standardtherapie des PCO-Syndroms ist derzeit nicht operativ, eine Operation kann jedoch in manchen Fällen sinnvoll eingesetzt werden.

2. Neue (innovatieve) Therapieansätze

Hirsutismus-Akne-Alopezie

Ein Wirkstoff namens Finasterid kann zur Behandlung einer verstärkten Körperbehaarung eingesetzt werden. Eine Dosierung von 2,5 bis 5mg über sechs Monate kann zu einer deutlichen Besserung des Hirsutismus führen. Weiters gibt es neue Antibabypillen, die Spironolacton als Gestagenkomponente beinhalten. Diese wirken ähnlich wie ältere Antibabypillen auf die verstärkte Körperbehaarung.

Insulinresistenz-metabolisches Syndrom

Obwohl die Insulinresistenz nicht die alleinige Ursache für die Entstehung eines PCO-Syndroms darstellt, bewirkt die vorliegende Hyperinsulinämie die Steigerung der Produktion von männlichen Geschlechtshormonen im Bereich des Eierstocks und der Nebenniere. Aus diesem Grunde wird zunehmend der Insulinsensitizer Metformin (Glucophage) eingesetzt. Mit dieser Therapie kann man ein Absenken der Androgene, eine Erhöhung des SHBG und somit eine Normalisierung des Menstruationszyklus bzw. eine erhöhte Rate an Eisprüngen und somit Schwangerschaften erzielen.

Erste Daten zeigen auch, dass Patientinnen, die keine Insulinresistenz, d.h. keinen auffälligen OGTT-Test haben, von einer Metformin-Therapie profitieren. Metformin verbessert auch die Parameter des metabolischen Syndroms insbesondere die Insulinresistenz. Besonders hervorzuheben ist auch die Gewichtsabnahme bei vielen PCO-Syndrom-Patientinnen im Mittel von 6-10kg in sechs Monaten. Weiters führt Metformin zu einer Senkung der Triglyzeride, des systolischen Blutdrucks und einer Erhöhung des HDL-Cholesterins. Metformin wird derzeit weiterhin als potentiell teratogen (schädlich für ein ungeborenes Kind) angesehen und wird derzeit in der Schwangerschaft nicht verordnet. Jedoch zeigen erste Studien zum Einsatz von Metformin bei schwangeren Frauen keine erhöhte Rate an Entwicklungsverzögerungen oder Missbildungen.

Es zeigt sich aber eine Reduzierung der Fälle von Schwangerschafts-Blutzucker und ein Absenken der Fehlgeburtsrate von 62 auf 26% !!! Eine Fortführung der Metformin-Gabe in der Schwangerschaft wird derzeit kontroversiell diskutiert und wird derzeit noch nicht generell empfohlen. Aufgrund der positiven Daten kann dies aber bei Frauen mit frühen Fehlgeburten bzw. erhöhtem Schwangerschaftsblutzucker in Erwägung gezogen werden.

Praktischer Hinweis:

Vor der Verschreibung einer Metformin-Therapie sollte die Nierenfunltion mittels einer Blutabnahme überprüft werden. Metformin sollte zur Minimierung von Übelkeit und Durchfall als typische Nebenwirkungen in der ersten Woche nur in halber Dosierung eingenommen werden. Eine Dosissteigerung kann ggf. langsam erfolgen. Die Therapie ist langfristig mit einer Dosis von 1000mg pro Tag (Körpergewicht <60kg), von 1700mg (Körpergewicht >60kg aber <100mg und 2000mg (Körpergewicht >100kg) zu empfehlen. Die Einnahme sollte jeweils nach den Mahlzeiten erfolgen. Metformin darf nichr mit Alkohol eingenommen werden.

Topische (lokale) Therapieverfahren

Hirsutismus

Eflornitin kommt als topische Substanz bei Hirsutismus insbesondere im Gesichtsbereich zum Einsatz. Die Wirkung erfolgt durch eine Hemmung des Haarwachstums. Nach einer mittleren Therapiedauer von acht Wochen beschreiben 60% der Patientinnen eine sichtbare Verbesserung.

Mechanische und thermische Therapieverfahren

Hierbei können die Epilation (das ist die komplette Zerstörung des Haarschaftes) und die Depilation (das ist die Zerstörung des sichtbaren Teils des Haares) unterschieden werden. Die mechanische Therapie kann mittels Wachs, Rasur oder Zug (Pinzette, Epilationsgeräte) erfolgen. Der Nachteil der Wachs- und Zug-Enthaarung gegenüber der Rasur ist das möglicherweisem dass das folgende Haarwachstum stimuliert wird. Weiters gibt es eine Reihe von thermische Verfahren zur Haarentfernung inkl. der Lasertechnik. Trotz viel versprechender Ergebnisse kann bis jetzt noch keine Aussage über Langzeiterfolge gemacht werden.

Akne

Benzoylperoxid wirkt antimikrobiell (gegen Bakterien) und schwach komedolytisch (Ablösen der Hornschicht), sodass bei der Akne der Verhornungsstörungen in den Ausführungsgängen Talgdrüsen entgegen gewirkt wird. Ergänzend können UV-Licht, Laser- oder Kryotherapien den Therapieerfolg verbessern.

Alopezie

Minoxidil, ursprünglich als Medilkament gegen hohen Blutdruck entwickelt, stimuliert bei der androgenetischen Alopezie (Haarausfall nach männlichem Muster) als zwei Mal/Tag angewandte Lösung den Haarwuchs. Der genaue Mechanismus ist bis jetzt noch nicht geklärt.