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Ursachen - Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Hormonstörungen beim PCO-Syndrom

Obwohl die Erstbeschreibung beim PCO-Syndroms bereits im Jahr 1721 durchgeführt wurde, sind die zugrunde liegenden Ursachen bis heute nicht gänzlich geklärt. Es scheint ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen vorzuliegen, wobei bisher kein Schlüsselmechanismus aufgedeckt werden konnte, der die Entstehung des PCO-Syndroms bis ins Detail erklären könnte.

Derzeit nimmt man an, dass die Entwicklung des PCO-Syndroms durch mehrere endokrinologische Störungen im Sinne eines circulus vitiosus verstärkt wird. Patientinnen mit PCO-Syndrom weisen typischerweise eine Verschiebung des Verhältnisses von lutenisierendem Hormon (LH) zum follikel-stimulierenden Hormon (FSH) auf. Dieser erhöhte LH/FSH-Quotient resultiert sowohl aus einer erhöhten LH-Pulsfrequenz als auch aus einer erhöhten LH-Pulsamplitude. Der erhöhte LH-Spiegel fördert die Synthese von Geschlechtshormonen in den sog. Theca-Zellen der Eierstöcke. Die somit vermehrt ausgeschiedene männliche Geschlechtshormone (Androgene) werden zum Teil im Fettgewebe in weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) umgewandelt. Diese führen zu einer gesteigerten LH-Sekretion aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), was wiederum die Hormonentstehung in den Eierstöcken fördert. Außerdem kommt es in der Nebenniere zu einer erhöhten Produktion von männlichen Geschlechtshormonen.

Als weiterer Mechanismus der Entstehung der Hyperandrogenämie ist die verminderte Bildung des sog. Sex-Hormon-Binding Globulins (SHBG) in der Leber, die zu einer Erhöhung des biologisch aktiven freien Anteils der männlichen Geschlechtshormone führt.

Insulinresistenz und Adipositas (Fettleibigkeit) beim PCO-Syndrom

Die körpereigene Insulin-Resistenz bei Patientinnen mit PCO-Syndrom führt kompensatorisch zu einer erhöhten Insulinfreisetzung. Die so entstehende Hyperinsulinämie (erhöhter Insulinspiegel im Blut) verstärken die bestehende Hyperandrogenämie, einerseits durch eine direkte Steigerung der Hormonproduktion von männlichen Geschlechtshormonen im Eierstock, andererseits durch eine verstärkte LH-Freisetzung aus der Hypophyse, die am Eierstock ebenfalls zu einer erhöhten Hormonproduktion führt. Insulin hemmt weiters die Bildung des Bindungsproteins SHBG in der Leber, welches, wie oben erwähnt, zu einer Erhöhung des freien Anteils von männlichen Geschlechtshormonen führt. Bei PCO-Syndrom-Patientinnen scheint nicht nur die absolute Menge zugeführter Kalorien, sondern auch die Zusammensetzung der Nahrung, körperliche Aktivität und insbesondere genetische Faktoren die Adiopsitas (Fettleibigkeit) zu beeinflussen.

Genetik

In der Krankheitsentstehung gibt es Hinweise auf eine genetische Komponente, da familiäre Häufungen beobachtet werden. So haben Töchter gehäuft Mütter oder Schwestern mit PCO-Syndrom oder Väter und Brüder mit frühzeitig einsetzender androgenetischer Alopezie (Haarverlust männlichen Typs). Ethnische Unterschiede im klinischen Erscheinungsbild geben ebenfalls Hinweise auf einen gewissen genetischen Hintergrund des PCOS.

Die Verschiedenheit des Krankheitsbildes mit den dementsprechenden klinischen Ausprägungen, die unterschiedlichen Definitionen und das Fehlen eines klar definierten männlichen Krankheitsbildes erschweren jedoch die Identifizierung der Gene, die an der Entstehung des PCO-Syndroms beteiligt sind. Unsere Arbeitsgruppe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus in Wien konnte diesbezüglich in den letzten Jahren einige neue Daten liefern (siehe Forschung).

Geschichte

Der Italiener A. Vallisneru beschrieb bereits 1721 erstmals polyzystische Ovarien in einem Fallbericht einer übergewichtigen Frau mit unerfülltem Kinderwunsch. 1921 wurde der Zusammenhang zwischen einer Hyperandrogenämie (erhöhte männliche Geschlechtshormone) im Blut mit einer Störung des Kohlenhydratstoffwechsels beschrieben.

Erst im Jahr 1935 wurde das Krankheitsbild des PCO von Stein und Leventhal beschrieben. In der damaligen Fallserie wurden 7 Frauen mit Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung), Hirsutismus (verstärkte Körperbehaarung) und multiplen Zysten an den Eierstöcken beschrieben. Stein entwickelte eine operative Behandlungsmethode mittels Keilresektion der Eierstöcke und veröffentlichte dies 1948 an einem größeren Patientenkollektiv. Durch die Operation kam es zu einer Verbesserung der Regelblutung bzw. zu einigen Schwangerschaften. Die Operation mit Biopsieentnahme aus den Eierstöcken diente damals nicht zur Behandlung sondern zur Diagnosestellung der polyzystischen Ovarien.

Abgelöst wurde sie in den 70er Jahren, als neue Entwicklungen die Bestimmung verschiedener Hormone im Blut möglich machten und ein neues Medikament namens Clomiphencitrat (Clomiphen®) als Auslöser für eine Ovulation entdeckt wurde. Mit Beginn der 90er Jahren wurden verschiedenste Definitionen des PCO-Syndroms vorgeschlagen. Erst im Jahr 2003 einigte man sich schlussendlich auf die o.a. Definition des PCO-Syndroms.